DJ Twitter – Tweet Application für NI Traktor

Moritz Esyot

Bin ja selber begeisterter Twitter-Nutzer, auch wenn das viele noch für Kwatsch halten. Ich sehe das ganz pragmatisch so: Es gibt da eine neue Technik, die man für sich nutzen kann oder es einfach sein lässt. Zwei Dinge stehen allerdings fest: zum einen gibt es derzeit einen enormen Hype um Twitter, der soweit geht, dass der Wert von dem Microblogging-Dienst auf 2-stellige Millionensummen beziffert wird (bis jetzt gibt es kein wirkliches Geschäftsmodell!).
Und da wäre zweitens, dass die meisten Inhalte schlicht belangloses Gezwitscher sind (“Habe ein Glas Wasser verschüttet #Pfütze #nass”).
Dennoch gibt es sehr praktische Anwendungsbeispiele wie Richie Hawtin mit seiner DJ Twitter Application für Native Instruments’ Traktor beweist.

Kollaboration von M-nus, Native Instruments und Twitter

Kollaboration von M-nus, Native Instruments und Twitter

Entwickelt wurde die Background-App zusammen mit Bryan McDade – ebenfalls auf Hawtin’s m-nus Label – und in Zusammenarbeit mit Native Instruments. Diese Application sendet automatisiert alle 30 Sekunden ein Twitter-Update des aktuellen Lieds. Ziel war es die gespielten Tracks live der Crowd per Twitter auf ihre mobilen Geräte und für alle interessierten Zuhause zu “zuzwitschern”. Der Twitter-Verlauf ermöglicht es noch nachträglich zu sehen auf was man da ausgerastet ist.


Der wirkliche Benefit für alle Musiker liegt aber darin, dass sobald diese Technik von allen, oder immerhin von einer Großzahl der DJs eingesetzt wird, eine genauere Übersicht darüber erfolgen kann, welche Songs tatsächlich in Clubs gespielt werden. Und damit in letzter Konsequenz Verwertungsgeselschaften wie die GEMA ihre Ausschüttungen an die einzelnen gelisteten Künstler überdenken oder neuberechnen müssten. Die Entlohnung also nun von einem Perfomance-Wert abhängig wäre.
Richie Hawtin dazu wörtlich:

Richie Hawtin

Richie Hawtin

“By providing the necessary information to track what is really being played in clubs, the Twitter DJ application would not only drag the likes of GEMA, PRS and SOCAN kicking and screaming into the 21st century, but make sure the real artists get paid instead of performance payments simply being carved up between the Madonnas and U2s of the world.

If record sales are slowing down and performance is now the key area where artists can achieve financial stability, better solutions need to be found and a workable structure put in place as soon as possible.
We hope that our Twitter DJ application is a step forward in the development of these types of systems.“

Auf jeden Fall werde ich mit Spannung verfolgen wie sich das Ganze entwickeln wird. Noch befindet sich die Software in der Beta-Phase, die leider ausschließlich Richie Hawtin testet. Außerdem gibt es noch keine Antwort auf die Frage, wie die Technik bei analogen Quellen funktionieren soll.

Richie Hawtin auf Twitter

Native Instruments Traktor Pro DJ-Software

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  • http://sets.krass.com/ Christof Damian

    Ich finde die Entwicklung auch spannend. Und da ich ein Fan von Twitter und Hawtin bin habe ich direkt nachdem die ersten DJ Tweets durchkamen eine Website erstellt, welche diese Informationen sammelt und zusammenfasst.

    http://sets.krass.com/

    Steht natuerlich alles noch am Anfang, da es zum einen nur einen DJ gibt welcher diese Anwendung benutzt. Zum anderen scheint die Uebertragung nicht immer zu funktionieren.

    Mal sehen was die Zukunft bringt.

  • http://www.thelager.de Flo

    Schön zu wissen, dass die Idee die ich vor 1,5 Jahren hatte und zu meiner Diplomarbeit wurde, jetzt auch umgesetzt wird – verdammte Axt.