Der Duft des Feierns

Moritz Esyot

Alle Sinne sind topfit. Ich höre alles, kann gut sehen, fühle den Bass, spüre die schweißnasse Hitze in der Menge und schmecke die Aromen von dem Getränk in meiner Hand. Kein Zweifel – ich bin nüchtern. Seit Tagen bin ich abstinent, verkneife mir den Weißwein zum Fisch und die Zigarette danach. Einzig die Tasse Kaffee am Morgen lässt sich nicht wegrationalisieren.

Und nun stehe ich hier im Club und nehme alles klarer wahr als sonst.  Doch vor allem prägt sich mir meine geschärfte Geruchswahrnehmung ein. Ich kann riechen, dass hier drinne irgendwo verbotenerweise geraucht wird. Ausserdem hat irgendein Mädel ein tolles Parfüm und der Kerl neben mir leider eine Dusche zu wenig genommen. Die Einzelgerüche sind teilweise extrem unangenehm. Gerne erinnert man sich an die Zeit zurück  in der noch ungehemmt auf allen Tanzflächen dem Nikotin gefröhnt wurde.

Mir stinkt’s. Nach einer Weile begebe ich mich also in den Außenbereich um mal durchzuatmen. Aber dann später, beim Betreten, nehm ich ihn zum ersten Mal in seiner ganzen Komplexität und Faszination wahr: den Duft des Feierns. Der Duft der durchtanzten Nacht. Eine magische Mischung aus dem Geruch tanzender Leiber, Schweiß und Hormone, Mojitos und Biere, Zigaretten und andere Drogen. Auf den ersten Blick eine Mischung die in ihre Einzelbestandteile zerlegt eher abscheu verursacht. Aber wie bei einem guten Parfüm ist es die Komposition der Zutaten die den Duft krönt. Die Magie des Duftes wird unterstützt von dem dumpfen, pumpenden Bässen die aus dem inneren zu einem Dringen. Man kann nicht wiederstehen und wird ins Innere gezogen – und damit wird man Teil der wabernden Menge – und ein kleiner Teil des Duftes. Vielleicht der Teil, der ihn so speziell macht.

Aber ein wesentlicher Aspekt unterscheidet den Duft des Feierns von jedem Parfüm. Er lässt sich nicht konservieren. Als Probe empfehle ich mal am nächsten Morgen an eurem Shirt zu riechen.

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  • stephaniavonundsoweiter

    grenouille lässt grüßen!