Der Disco Knigge Pt. 2

Moritz Esyot

esyotmusic freut sich wiedermal über einen ordentlichen Gastbeitrag, geschrieben von der Arbeits- und Bloggerkollegin Eva. Ihrerseits zuständig für Wortverwindungen und satzarchitektonische Meisterwerke, kurzum Texterin. Ihren verbal-kreativen Output kann und soll man auf ihrem Blog monkeyeve mitverfolgen. Dort gab es auch schon den ersten Part ihres Discoknigge zu lesen. Im ersten Teil hielt sie auch schon folgende Lebensweisheit für uns fest:

“Alkohol und geschlossene Räume sind die Nemesis des guten Benehmens.”

Und ich bleibe trotzdem dabei: Bier statt Bananen!
Jetzt viel Spaß bei Buchstabenjonglage performed by MonkeyEve…

Der Disco Knigge Pt. 2

Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte länger. Der Pessimist verfällt spontan in einen schockstarren Winterschlaf, der Optimist denkt: Super, mehr Zeit zum Feiern!
Grund genug für mich, den Disco-Knigge fortzuführen. Daher bin ich aus- und in mich gegangen, habe das feiernde Volk beobachtet, mit Fragen getriezt und bis zum letzten Alkoholtröpfchen ausgequetscht.
Nachdem ich im ersten Teil ein wenig verbal nach dem männlichen Geschlecht getreten habe, habe ich dem fairen Ausgleich zuliebe nun auch ein paar Etiquette-Fauxpas der weiblichen Discogänger gesammelt:

Die Promille-Pirsch
Vorsicht, Frauen sind auf der Pirsch, wenn sie weggehen – jedoch sind sie nicht, wie oft irrtümlicherweise angenommen, auf der Suche nach Dir sondern nach dem nächsten, kostenlosen Drink. Manche Exemplare der weiblichen Gattung sind besonders ausgefuchst. Wenn Du betrunken bist und eine Frau lächelt Dir (wie es scheint, völlig hin und weg) zu, dann kannst Du davon ausgehen, dass Du 10 Minuten später einen Drink leichter bist und sie vor allem weg ist. Natürlich bist Du jetzt noch betrunkener und Deine realistischen Chancen, ein Weibchen mit Deinen Wortkünsten anzulocken, tendenziell unterirdisch.

Der Theken-Philosoph
Man sagt, Frauen seien unglaublich wortbegabt, doch wird dabei unterschlagen, dass der Buchstabenverbrauch bei manchen Vertretern der weiblichen Gattung proportional zum Alkoholkonsum nach oben schießt. Manchmal reicht schon ein Tröpfchen, um das Fass zum Brodeln zu bringen. Dann sieht man Frauen, die diskutierend und gestikulierend einen hilflosen Mann an der Theke festnageln. Dabei sagt sie gut und gerne Dinge, die “sie so nie gesagt hat”, wie sie später vehement argumentiert. Die einzige Konter, die er noch zusammenkriegt, ist ihr postwendend in den Ausschnitt zu schauen. Das bringt Sie wiederum in wortgewaltige Rage und am nächsten Tag ist sie sauer und er weiß von nichts. Verbalismus ab 2 Promille gehört verboten.

Der Disco-Qualmer
Funktioniert leider geschlechterübergreifend: Anrauchen, das neueste No-Go. Nachdem es an den meisten öffentlichen Orten verboten wurde, zu rauchen – Deutschland, die große Rauchernation, zunächst empört aufschrie – kommt es nun, wie es kommen muss: Keinen interessiert’s und die Welt fängt wieder an zu rauchen. Aber das Verbot währte immerhin lange genug an und wir haben uns daran gewöhnt, morgens in rauchfreien Klamotten und Haaren ins Bett zu fallen. Jetzt stinkt es uns umso mehr, wenn man im Club von der Seite angeraucht wird. Besonders liebe ich ja die Alkoholraucher, bei denen schon ein Tröpfchen Ethanol den Synapsenschalter von “Nichtraucher” in “Raucher” umlegt. Diese Menschen sind rauchunerfahren und bar jeglicher jahrelang antrainierter Rauchmanieren (man rauche z.B. nicht beim Essen) unmöglich dazu im Stande, kniggekonform zu rauchen. So wird dann munter während dem Reden gepafft. Wie das beim Reden so ist, steht der Angeredete gegenüber und somit direkt im Windtunnel. Man meide also den Promilleraucher.

Das lautlose Megaphon
Immer wieder sehe ich Grüppchen aufgedonnerter und zurechtgemachter Heiratswilliger in den Club stürmen, ihre Testosteronfühler ausfahren und schließlich falkenartig auf ahnungslose Opfer herabstürzen. Ich wage es kaum zu schreiben, aber diese Menschen glauben tatsächlich, ihren zukünftigen Lebenspartner hier und jetzt kennenzulernen. Und so unterhalten sie sich munter, bzw. schreien sich gegenseitig an, wie das in der Geräuschkulisse nicht anders möglich ist, in der Meinung sich besser kennenzulernen während sie eigentlich nur Stille Post für Fortgeschrittene spielen. Unfreiwillig komisch für alle anderen, wenn der DJ und mit ihm die Musik gerade einen Aussetzer haben. Ein Beispiel:
Musik auf voller Lautstärke.
Sie (augenklimpernd): Irgendwie bist Du richtig nett…
Musik aus.
Er (brüllt): Ich finde Deine Freundin auch viel zu fett!

Man merke also, es gibt nur einen Grund, auszugehen: richtig feiern.

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