Clubcast… ageHa in Tokyo

Moritz Esyot

Unter der Rubrik “Clubcast” werde ich euch in Zukunft meine Lieblingsclubs vorstellen. Den Anfang macht das

ageHa in Shin-Kiba, Tokyo.

2008 war ich zu Besuch bei meinem Vater in Tokyo und hatte mir im Metropolis Magazin mehrere Wochenend-Locations rausgesucht. Ich stand vor der Entscheidung mich entweder ins ageHa oder ins Womb zu begeben. Da keine bekannten DJs ein ausschlaggebendes Argument lieferten, entschied ich mich für das näher gelegene ageHa.

In die Bahn und Los

Es ging los Richtung Metro. Ich war ziemlich früh dran, sprich gegen halb 12, aber so kam ich um “eine Stunde in der Schlange stehen” rum.
Man muss dazu sagen, dass obwohl Tokyo eine der größten Städte der Welt ist, die Metro maximal bis halb Eins fährt. Also entweder viel Geld für ein Taxi opfern oder die gesparten Yen in ein paar Drinks investieren.
Ich bevorzugte die öffentlichen Verkehrsmittel, weil der Club nur ca. 5 Gehminuten von der Metro-Haltestelle Shin-Kiba entfernt ist. Shin-Kiba erreicht ihr mit der Yurakucho oder der JR-Line. Ab der Haltestelle fragt ihr euch am besten durch.

Shin-Kiba

Shin-Kiba

Jetzt aber ins Innere.

Auf dem Bild sieht man den (noch leeren) Eingangsbereich des “STUDIO COAST”, wie das ageHA auch genannt wird. Der Titel “ageha” heißt übersetzt übrigens soviel wie “Schwalbenschwanz-Schmetterling”.

ageHa // STUDIO COAST

ageHa // STUDIO COAST

Erstmal an die Kasse. Der Eintritt war mit 2000 Yen (umgrechnet ca. 15 Euro) für Tokyoter Verhältnisse absolut moderat. Zumal ein Freigetränk inklusive war.
Nach der Kasse kommen die eigentlichen Türsteher, die den Securitys am Flughafen eigentlich in nichts nachstehen. Ausser Röntgengeräten ist es den Sicherheitskontrollen sehr ähnlich: Tascheninhalt in ein kleines Körbchen legen, am ganzen Körper abgetastet werden, sogar in Geldbeutel und Zigarettenschachtel wird mit Argusaugen geschaut. Kameras müssen ohne Ausnahme draußen bleiben, daher gibt es leider keine Bilder vom Dancefloor. Weil in Japan der Zutritt zu Clubs erst ab 20 erlaubt ist wird auf das Alter ein besonders Augenmerk gelegt. Versucht gar nicht erst zu verhandeln, wer den Ausweis “vergessen” hat, wird das Innere NIE sehen.

Discokugeln, Sonnenaufgänge und Döner

Nach der Kontrolle gelangt man in die “Wartehalle”, in der man von einer überdurchschnittlich guten Anlage überrascht wird, die einen mit einem netten Downtempo Minimal empfängt. Hier ist vorerst Schluss, zumindest bis 12 Uhr, bis der eigentliche Dancefloor zum Tanz einlädt.
Mit dem betreten des ersten und größten Floors, der “Arena”, hängt die Kinnlade auf Halbmast. Allein die mit 1,80 m Durchmesser überdimensionierte Discokugel macht deutlich, dass hier nicht gekleckert wird. Dazu passend gibt es ein beeindruckendes Licht-System, welches die Tanzfläche umgibt. Dem klangaffinen Clubber treibt es die Freudentränen aber dann in die Augen wenn er die speziell für den Club angefertigten Lautsprecher sieht… und vor allem hört. Das Gesamtpaket wird durch Visuals perfektioniert die über zwei große Leinwände neben dem DJ zucken.
Nachdem der Mund wieder zu war, hab ich mir den Rest angesehen. Im Freien empfängt einen die “Waterbar” – eine Bangkirai-Terrasse die ebenfalls als Dancefloor firmiert. Im Zentrum wird dieser Dancefloor durch einen quadratischen Pool unterbrochen, in dem sich im Laufe des Abends allerlei Kram sammelt (Zigaretten, Sonnenbrillen, Handys). Wer auf die Idee kommen sollte da rein zuspringen (oder eben einfach nur reinfällt) wird von den Türstehern Richtung Ausgang begleitet. Von der Terrasse blickt man auf die Bucht von Tokyo. Hier hatte ich meinen emotionalsten Moment des Abends, als morgens zu gutem House die Sonne langsam das Wasser in der Bucht zum glitzern brachte um wenig später die ganze Szenerie in volle Helligkeit zu tauchen.
Mit Electronica/Alternative werden die 3 anderen Floors musikalisch durch den vierten Floor – das Zelt – ergänzt. Der angeschlossene Food Bereich kümmert sich um den nächtlichen Hunger. Neben Yakitori-Spießen und gegrillten Maiskolben gibt es hier auch… Döner!

Schlafen auf dem Dancefloor

Das Publikum besteht vorwiegend aus Japanern – Touristen bilden klar die Minderheit. Eigentlich sollte ich jetzt noch einen Rundumschlag zur kulturellen Besonderheit der Japaner machen, begnüge mich aber mit ein paar plakativen Beispielen. Wundert euch nicht über schlafende Gäste. Schon um kurz vor 12 holte der Erste sein Schlafdefizit an einem Stehtisch (!) nach. Da Japaner kaum Englisch sprechen ist es teilweise schwierig mit Einheimischen in Kontakt zu treten, wenn du Pech hast kann schon das Bestellen ein Abenteuer werden. Jegliche besondere Fähigkeiten – wie Breakdancen – bilden dagegen eine tolle Gelegenheit sich Freunde zu machen.
Die Ausmaße des ageHa hat zur Folge, dass der Club diesen Kommerzdiscotheken-Beigeschmack nicht so recht los wird. Wen das nicht stört wird viel Spaß haben und mit der Crowd entspannt und ausgelassen feiern und tanzen.

Fazit

Overall kann ich jedem Tokyo-Touristen und Elektro-Clubber den Laden nur empfehlen. Die Größe ist beeindruckend, aber wirklich nachhaltig überzeugt haben mich das Soundsystem und die Waterbar inklusive Sonnenaufgang.


AGEHA // Studio Coast auf einer größeren Karte anzeigen

Zum Schluss nochmal alle relevanten Links:

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  • kumpeljoe

    da muss ich mal hin. aber erst wenn twitter ne fluggesellschaft aufkauft. via@#cooleszeug