Viele denken Techno findet erst seit den Neunzigern statt. Pedantisch betrachtet ist das natürlich irgendwie korrekt, da der Technobegriff und auch die eigentliche Musik um die Zeit rum entstanden. Und ich erzähl auch niemandem was Neues, wenn ich offenbare, dass die Entwicklung schon lange davor angefangen hat. Das Künstlerkollektiv Kraftwerk beispielsweise experimentiert und beeinflusst elektronische Musik bereits seit 1970.
Was ich jetzt aber entdeckt habe, ist eine sympathische Überraschung. Heinz Funk demonstirierte damals (1978) in der ZDF Sendung Zauber der Töne das damlas ziemlich neuartige und moderne MOOG Modular System und den Sennheiser Vocoder VSM 201.
Damit fand wohl damals mehr elektronische Musik im Öffentlich-Rechtlichen statt als heutzutage. Von besagtem Vocoder wurden übrigens weltweit nur 50 Stück angefertigt und heute kann man dafür gut und gerne 10.000 Öcken hinblättern. Sowas presst man inzwischen in eine iPhone App für 2,99 Euro runter, die dann versucht so eine komplexe Kiste zu emulieren. Auch beachtlich wie groß damals die Synthesizer noch waren. Sind ja heute immer noch amtliche Ziegelsteine, aber die Maschinen mit denen Heinz Funk hier experimentiert haben ja noch Zimmergröße.
Was für eine schöne Idee die verschiedenen Elemente der Musik zu visualisieren. Ist doch schon fast naheliegend dafür endlich mal Seismographen herzunehmen. Ergibt eine verdammt chilige Optik und das gibt dann zusammen mit dem Downtempo-Sound des Lithauen Mario Basanov und der Stimme von Jazzu eine echte Zurücklehn-Nummer. Muss das nochmal betonen… finde die Optik vom Video dermaßen gelungen und wenn man anfangs denkt der Clip könnte schnell langweilig werden, wird eines Besseren belehrt. Der Track selber ist ein bischen poppiger aber mit enorm genehmer Bassline in die man sich am liebsten Reinkuscheln würde.
Schön dass ich auch endlich mal was von Booka Shade präsentieren kann. Ist zwar schon ewig her, dass ich mir die Sachen von denen so richtig reingezogen habe, aber Titel wie Night Falls, In White Rooms oder Charlotte haben mich damals schon ziemlich geflasht und sind auch heute nicht so richtig tot zu kriegen. Ich glaube irgendein Track von den Beiden fand sich damals auf jeder zweiten CD von mir im Auto. Und die Kombi Booka Shade VS. M.A.N.D.Y hat mit dem, zugegebenermaßen etwas huschigen, aber ebenso smoothen Track Body Language einen echten House-Ohrwurm geschaffen.
Dem neuesten Schaffen der Kollaboration wurde noch ein Video in zeitgemäßer Stopmotion-Optik spendiert. Das Video zu dem Track Donut wird alle Analog-Tetris Fans begeistern. Ein Haufen Pappschachteln rast, stolpert und hüpft in dem Video durch die Gegend. Der Tetris Vergleich kommt auch soundtechnisch nicht von ungefähr.
Am 3. Mai kommt übrigens das neue Album More von Booka Shade.
Eins vorweg. Diesmal ist es kein offizielles Musikvideo. Aber weil es so gut für die Augen ist, muss es trotzdem hier rein. Das Original ist von Booba, manchen bekannt als Rapper, genauer aus Frankreich. Yuksek, ebenfalls Franzose, hat das Original dann aber in bester NuRave-Manier auseinandergenommen und vom Original ist wenig erkennbares übrig geblieben. Auf jeden Fall kracht das Ding.
Der Inhalt vom Video ist diesmal schnell wiedergegeben. Es reicht fast ein Wort. Aber so wär ja die Spannung weg und deswegen sag ich nur eins. Es ist ziemlich reduziert… auf… ach seht selbst!
Über dieses Video bin ich doch tatsächlich auf MTV gestolpert, was ich semi-verwunderlich finde. Erstens wegen des Musikstils, der ja sonst gekonnt ausgeklammert wird (macht wahrscheinlich das Feature wieder wett), zum Zweiten wegen dem Inhalt (einfach selbst ansehen). Man könnte soweit gehen und das Video als gewagt bezeichnen. Muss man aber nicht. Nebenbei find ich den Track auch noch ganz geil. Wobei die Remixe nochmal richtig reinhauen. Mein Favourite ganz klar: der fast 30-minütige Radio Slave Remix.